Altern
Frische Lippen, die einst küssten
in des Lebens Frühlingszeit,
sind heut welk, als ob sie wüssten,
fast vorbei ist ihre Zeit.
Lange her und kaum zu glauben
auch wir waren jung und fein,
ließen Schmelz vom Alter rauben,
Falten gruben sich fest ein.
Fort sind Jugendlieblichkeiten,
doch das ist des Lebens Lauf;
schlägt man auf die Lebensseiten,
nimmt man gerne dies in Kauf,
denn wir sind gereift an Jahren,
wollen vorwärts, nicht zurück,
nicht mehr sein, was wir einst waren.
Auch das Alter bringt uns Glück.
FvB 2006
Dämmerung
Erinnerung fliegt frei durch dunkle Weiten,
ein tröstend Licht mir aus der Ferne winkt,
wie heller Ruf erreicht mich so aus allen Zeiten
mein Lebenslied, das von Vergang`nem singt.
Auf Schwingen sehnsuchtsvoller Weisen
berührt die Wärme der Empfindungen mein Ich
und Dankbarkeit löst alt - verrostet Eisen,
die schmerzend hielten fest umschlossen mich.
Und in der Dämm`rung stiller Augenblicke,
wenn Sternenstaub das Dunkel mir vertreibt,
weicht Wehmut voller Dank dem Glücke
und haucht vergehend: was einst war, das bleibt.
FvB
Das Alter
Vom Alter singt so manches Lied
von Freud und Ruh der späten Zeit,
doch schmerzt es Dich in jedem Glied,
dann bringt das Alter Leid.
Kein Lied geht lustvoll darauf ein,
kein Dichter schreibt davon.
Von Schmerzen schweigt man still und fein,
da schreibt man keinen Ton.
1987